Continental-Strategie zielt auf automatisiertes Fahren

Dec 18, 2012

Forschung und Entwicklung:

  • Schrittweise Automatisierung bis 2025: Teilautomatisierung bereits in 2016 möglich
  • Mehr als 1.250 Spezialisten arbeiten bereits heute beim Automobilzulieferer am Thema
  • Erhöhte Sicherheit, größere Handlungsspielräume für den Fahrer, verbesserte Effizienz: Automatisiertes Fahren verändert individuelle Mobilität maßgeblich

Hannover, 18. Dezember 2012. Die Entwicklung von Produkten und Systemen für automatisiertes Fahren ist eines der zentralen Themen der langfristigen Technologie-Strategie des internationalen Automobilzulieferers Continental. „Wir haben uns in den vergangenen Wochen als Vorstand die Strategie- und Budgetplanung unserer fünf Divisionen für die kommenden Jahre sehr genau angesehen. Für unsere Automotive-Divisionen sind hierin übergreifend alle notwendigen Bausteine abgebildet, die schrittweise bis zum Jahr 2025 zum vollautomatisierten Fahren führen werden", sagte der Continental-Vorstandsvorsitzende Dr. Elmar Degenhart nach Abschluss der Strategie-Workshops.

Hier können Sie sich die Pressemitteilung als Word-Dokument herunterladen.

„Insgesamt werden wir als Continental insbesondere in den Automotive-Divisionen in den kommenden Jahren mit Milliardensummen in Forschung und Entwicklung den Weg zur Mobilität der Zukunft ebnen helfen“, erklärte Degenhart. „Für uns ist klar, dass automatisiertes Fahren ein Kernelement der Mobilität der Zukunft sein wird. Als Systemlieferant sind wir bestens aufgestellt, um für unsere Kunden bis 2016 bereits Lösungen für teilautomatisierte Systeme zu entwickeln und in Serie zu bringen. Erste Anwendungen hoch- und schließlich vollautomatisierten Fahrens, auch bei höheren Geschwindigkeiten und in komplexeren Fahrszenarien, können wir bis 2020 beziehungsweise 2025 serienreif entwickeln.“

 

Hier können Sie die Grafik als JPG herunterladen.

Die Realisierung des automatisierten Fahrens erfolgt Schritt für Schritt

Technologisch stellt automatisiertes Fahren die Evolution des bereits eingeschlagenen Pfads der Fahrerassistenzsysteme dar. Ihre konsequente Vernetzung mit Fahrerinformations- und Antriebssystemen führt schrittweise zum Ziel. So könnten ab 2016 teilautomatisierte Systeme den Fahrer in Stop&Go-Situationen im geringen Geschwindigkeitsbereich bis 30 km/h auf der Autobahn bereits entlasten. In diesem ersten Automatisierungsschritt aber wird der Fahrer nicht aus seiner Verantwortung entlassen, das Fahrgeschehen permanent zu überwachen.

Dieser Schritt könnte mit der Hochautomatisierung ab 2020 erfolgen. Neben der Abdeckung höherer Geschwindigkeitsbereiche über 30 km/h im Autobahnumfeld, wird es die Hochautomatisierung ermöglichen, dass der Fahrer diese Fahrphase für andere Tätigkeiten – wie beispielsweise der Online-Bestellung von Weihnachtsgeschenken – nutzt. Für beide Automatisierungsgrade aber gilt uneingeschränkt, dass der Fahrer die Kontrolle über das Fahrzeug jederzeit übernehmen können muss. Mit der Vollautomatisierung ab 2025 könnte auch dies nicht mehr erforderlich sein.

So kann auf der Autobahn ein vollautomatisiertes Fahrzeug den kompletten Fahrbetrieb bis 130 km/h selbstständig steuern. Erreicht das Fahrzeug jedoch beispielsweise die gewünschte Autobahnabfahrt, erfolgt auch in diesem Automatisierungsgrad die Aufforderung der Kontrollübernahme an den Fahrer. Schließlich wird sich die Vollautomatisierung bis 2025 noch auf die Autobahn beschränken. Kommt er dort dann der Aufforderung nicht nach, die Kontrolle zu übernehmen, wird das Fahrzeug sich jedoch selbstständig in einen sicheren Zustand bringen, also beispielsweise abbremsen und auf dem Seitenstreifen anhalten.

 

Hier können Sie die Grafik als JPG herunterladen.

Entmündigung? Selber Fahren oder Fahren lassen, das ist hier die Frage

„Automatisierte Systeme können die Verkehrssicherheit um ein Vielfaches erhöhen und damit Leben retten. Wir kennen das aus der Luftfahrt. Ähnlich wie bei den Piloten wird automatisiertes Fahren gerade nicht zur oft heraufbeschworenen Entmündigung des Fahrers führen. Vielmehr wird das vernetzte und auf Wunsch automatisiert fahrende Auto den Fahrer noch freier bei der Nutzung individueller Mobilität machen. Wer zum Beispiel auf dem Weg zur Arbeit täglich dieselbe Strecke fährt, wird es sicherlich als Entlastung empfinden, wenn das Fahrzeug ihm diese Aufgabe abnimmt. Gleiches gilt für monotone und ermüdende Langstrecken auf Autobahnen“, erklärte Degenhart.

Mit entsprechenden Systemen an Bord kann der Fahrer künftig selbst entscheiden, ob er selbst fahren möchte oder sich automatisiert fahren lässt. Mit der Markteinführung hochautomatisierter Fahrzeuge um 2020 können sich Fahrer darüber hinaus anderen Tätigkeiten widmen, wie beispielsweise der Lektüre der neuesten Schlagzeilen im Internet. Dies eröffnet somit neue Handlungsspielräume für den Fahrer. Gleichzeitig wird das automatisiert fahrende Auto noch sicherer, durch die noch stärkere Vernetzung in sich und mit seiner Umwelt. Darüber hinaus wird auf Basis eines breiten Echtzeitdatenteppichs das Energiemanagement und die Fahrweise des Fahrzeugs optimiert und somit noch energieeffizienteres Fahren möglich.

Hier können Sie die Grafik als JPG herunterladen.

Die Entwicklung automatisierten Fahrens erfordert Systemkompetenz

Bereits heute arbeiten bei Continental mehr als 1.250 Spezialisten an den Grundlagen automatisierten Fahrens: an Fahrerassistenzsystemen, wie beispielsweise Abstandsregeltempomat und Notbremsassistent, die mit ausgereifter Technologie zur Erfassung des Fahrzeugumfelds mit Kamera, Infrarot und Radar in vielen Fahrsituationen den Fahrer warnen, unterstützen und entlasten. Um sich auf die verstärkte Nachfrage nach Assistenzsystemen noch besser fokussieren zu können, wurde im April dieses Jahres in der Division Chassis & Safety der neue Geschäftsbereich Advanced Driver Assistance Systems gebildet.

Continental zählt sich bereits heute zu den führenden Herstellern von Fahrerassistenzsystemen und hat seit dem ersten Serienprojekt 1999 für die Mercedes S-Klasse mehr als 100 Projekte für Automobilhersteller weltweit realisiert. Darüber hinaus verfügt Continental in der Division Interior über langjährige Kompetenz in der Gestaltung von Anzeige- und Bedienoberflächen sowie in der Division Powertrain im Energiemanagement von Antriebssystemen. Die Integration auf Systemebene wird domänenübergreifend in der strategischen Vorentwicklung koordiniert. In Kombination mit ihrem Netzwerk aus Partnern im Bereich Informations- und Kommunikationstechnik befähigt diese Aufstellung Continental, automatisiertes Fahren ganzheitlich zu realisieren. Dabei kann der international agierende Zulieferer bereits auf mehrjährige Entwicklungsaktivitäten im Bereich Automatisierung in der Division Chassis & Safety zurückblicken. Neben seinem Engagement in diversen Forschungsprojekten (AKTIV, HAVEit, DARPA Urban Challenge), hat das Unternehmen Anfang 2012 einen zweiwöchigen Dauertest mit bereits seriennaher Technik im US-Bundesstaat Nevada abgeschlossen. Über 15.000 Meilen Fahrzeugbetrieb wurden hochautomatisiert auf öffentlichen Straßen hauptsächlich dort absolviert.

Hier können Sie die Grafik als JPG herunterladen.

Gesetzgebung maßgeblich entscheidend für die Markteinführung

„Technische Grundvoraussetzung für die Realisierung automatisierten Fahrens ist die Systemzuverlässigkeit. Verkehrssicherheit auf höchstem Niveau ist deshalb die unverzichtbare Grundlage, auf der automatisiertes Fahren aufsetzen muss“, erklärte Degenhart. Dies bedeutet konkret, die Erfordernis einer ausfallsicheren Architektur, die im Falle eines Fehlers das Fahrzeug in einem sicheren Fahrzustand hält. Jedoch wird der Zeitrahmen für die Entwicklung dieser notwendigen Sicherheitsarchitektur nicht alleiniger Taktgeber für die Markteinführung sein: „Der Gesetzgeber wird maßgeblich über das Wann und Wie der Markteinführung automatisierter Fahrzeuge entscheiden, schließlich müssen die notwendigen gesetzlichen Rahmenbedingungen noch geschaffen werden“, ergänzte Degenhart.