Ad-hoc News
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Continental stellt sich für Mobilität der Zukunft neu auf

Hannover, 18. Juli 2018. Am 9. Januar 2018 hat die Continental AG nach entsprechenden Marktgerüchten durch eine Ad-hoc Mitteilung nach Art. 17 MMVO bestätigt, dass sie sich in einem frühen Stadium der Analyse ihrer Konzernstruktur befindet, um ihre Organisation noch flexibler auf die Herausforderungen in der Automobilindustrie auszurichten.

Nach Abschluss der Analyse hat der Vorstand des Technologieunternehmens heute einen der größten organisatorischen Umbauten in der Unternehmensgeschichte beschlossen.

Der Beschluss sieht die Bildung einer Holding-Struktur der Continental AG unter der neuen Dachmarke „Continental Group“ vor. Die Struktur wird von drei geschäftlichen Säulen getragen, den „Unternehmensbereichen“ Continental Rubber, Continental Automotive und Powertrain. Die neuen Bezeichnungen und die entsprechende Berichtsstruktur sollen ab 2020 angewendet werden. Die Unternehmensbereiche werden nach und nach aufgebaut bzw. wo notwendig angepasst. Diese Veränderung bedarf der Zustimmung des Aufsichtsrats der Continental AG, die am 26. Juli 2018 eingeholt werden soll. Der Zustimmung des Aufsichtsrats unterliegt auch die Verselbständigung der heutigen Division Powertrain bereits Anfang 2019. Ihr Teilbörsengang ist voraussichtlich ab Mitte 2019 möglich.

Außerdem werden bis Anfang 2020 die bisherigen Divisionen Chassis & Safety und Interior neu formiert. Aus ihnen werden zwei Geschäftsfelder unter den neuen Bezeichnungen „Autonomous Driving Technologies“ und „Vehicle Networking Technologies“ hervorgehen. Ihre Geschäfts­verläufe werden im künftigen Unternehmensbereich „Continental Automotive“ berichtet. Unterstützt werden beide durch eine neugeschaffene, zentrale Forschung und Entwicklung Automotive.

Die beiden heutigen Divisionen Reifen (zukünftige Bezeichnung „Tire Technologies“) und ContiTech bleiben in ihren eigenständigen Organisationsformen unverändert bestehen. Ihre Geschäftverläufe werden im künftigen Unternehmensbereich Continental Rubber berichtet.

Ausrichtung des Antriebsbereichs auf die Anforderungen der Märkte und Kunden

Vorbehaltlich der Zustimmung des Aufsichtsrats der Continental AG erfolgt die Verselbständigung der heutigen Division Powertrain unter neuer Firmierung Anfang 2019. Zum Aufgabenfeld zählen neben dem Geschäft mit Verbrennungsantrieben auch das komplette Zukunftsgeschäft mit Hybrid- und Elektroantrieben sowie alle laufenden Batterieaktivitäten. Dazu zählt zum Beispiel das vor kurzem angekündigte Gemeinschaftsunternehmen für 48-Volt-Batteriesysteme. Gleichzeitig bereitet Continental für das neue Powertrain-Unternehmen einen Teilbörsengang vor, der ab Mitte 2019 stattfinden könnte. Continental beabsichtigt jedoch mittel- bis langfristig nicht, die Kontrolle über das Powertraingeschäft abzugeben. Die Leitung des neuen Powertrain-Unternehmens soll ab Anfang 2019 Herr Andreas Wolf übernehmen. Er ist derzeit verantwortlich für die Geschäftseinheit Body & Security in der Division Interior.

Die Verselbständigung des Unternehmensbereichs Powertrain führt voraussichtlich zu operativen Kosten in Höhe von rund 350 Millionen Euro. Der überwiegende Teil der operativen Kosten fällt in den Jahren 2018 und 2019 an. Zusätzlich entstehen steuerliche Nachteile, die sich auf rund 100 Millionen Euro summieren und im Wesentlichen im Jahr 2019 anfallen. Der Ausblick des Continental Konzerns für das Jahr 2018 bleibt hiervon unberührt.

Für die geplanten, organisatorischen Veränderungen bei Powertrain gelten die am 18. April 2018 veröffentlichten, mit den Arbeitnehmervertretern vereinbarten Eckpunkte im „Zukunftsbündnis Continental in Motion“.

Grund für die Verselbstständigung ist die absehbare Veränderung im Antriebsgeschäft. Die Marktentwicklung wird hier maßgeblich durch politische Vorgaben für Emissionsgrenzwerte bestimmt. Die politischen Entscheider treiben besonders auf den Leitmärkten Europa, Nordamerika und China sowie in Japan, Südkorea und auf dem Wachstumsmarkt Indien ihre Regulierungen in unterschiedlichen Geschwindigkeiten voran. Dies erfordert von der Industrie eine hohe Flexibilität, um auf die Anforderungen der unterschiedlichen Märkte, Regulierungsbehörden, Gesellschaften und Kunden schnell und individuell zu reagieren.

Neuordnung der beiden Divisionen Chassis & Safety und Interior

Die Geschäfte und Aufgaben der beiden weiteren, heutigen Automotive-Divisionen Chassis & Safety und Interior werden sich an den sich ändernden Erfordernissen und künftigen Chancen der Märkte neu ausrichten. Sie werden bis Anfang 2020 auf zwei neu formierte Geschäftsfelder unter den Bezeichnungen „Autonomous Driving Technologies“ und „Vehicle Networking Technologies“ aufgeteilt.

Das Geschäftsfeld Autonomous Driving Technologies umfasst künftig das automatisierte und autonome Fahren sowie alle Chassis-Funktionen. Das Geschäftsfeld Vehicle Networking Technologies verantwortet das Geschäft der internen Vernetzung eines Fahrzeugs sowie dessen externe Vernetzung mit anderen Fahrzeugen und der Verkehrsinfrastruktur. Die Details dazu werden voraussichtlich bis Mitte 2019 ausgearbeitet und vorgestellt.

Continental verfolgt mit dieser Neuordnung vor allem das Ziel, ihre Geschäfte mit wegweisenden Technologien weiter auf profitables Wachstum zu programmieren und dieses sowie zukünftige Wachstumspotenziale noch schneller und effizienter auszuschöpfen. Das Technologieunternehmen rechnet in seinem neuen Automotive-Geschäft (d.h. ohne die Division Powertrain) mit einer Umsatzsteigerung von rund 19 Milliarden Euro (2017) auf rund 30 Milliarden Euro (2023).

Der Aufbau einer zentralen Forschung und Entwicklung Automotive unterstützt die Neuaufstellung des Automotive-Geschäfts. In diesem neuen Bereich werden Entwicklungsfunktionen der heutigen Divisionen Interior und Chassis & Safety sowie heutiger Zentralfunktionen zusammengefasst. Sie werden dabei operativ aufgewertet und verstärkt. Schätzungsweise 12.000 bis 15.000 Ingenieure für Software- und Hardware bilden dann gemeinsam ein weltweites Continental-Kraftzentrum für die Vor- und Anwendungsentwicklung. In den beiden neuen Geschäftsfeldern Autonomous Driving Technologies und Vehicle Networking Technologies werden zusätzlich insgesamt etwa 17.000 Ingenieure verbleiben.

Rubber-Bereich: Keimzelle bleibt im Besitz von Continental

Die beiden Divisionen Reifen und ContiTech bilden die heutige Rubber-Group, deren Geschäftsverlauf künftig unter der neuen Berichtsbezeichnung „Unternehmensbereich Continental Rubber“ dargestellt wird. Beide Geschäftsfelder bleiben auf die Entwicklung von Technologieprodukten auf Basis von Kautschuk und Kunststoff spezialisiert.

Dieses Geschäft – Keimzelle und Ursprung des 147 jährigen Hannoveraner Unternehmens – verbleibt im Besitz von Continental. Eine Ausgabe von Minderheitsanteilen, zum Beispiel durch einen Börsengang, ist derzeit nicht geplant, jedoch eine denkbare Option für die Zukunft. Continental hat eine mögliche, rechtliche Verselbständigung dieses Geschäfts bereits vor einigen Jahren vorbereitet. Weitere Schritte dafür sind derzeit nicht notwendig.