Mobilitätsstudie 2016 - Basis Konditionen

Innovationen für LKW sind gefordert, müssen sich aber nach zwei Jahren amortisieren.

© Continental AG

Konkurrenz, Kostendruck, klamme Kassen: Schwierige Rahmenbedingungen für die Logistikbranche

  • Zersplittert: Selbst große Unternehmen verfügen nur über sehr kleine Marktanteile
  • Branche sieht Handlungsbedarf insbesondere in Sachen Umweltschutz
  • Continental-Mobilitätsstudie macht deutlich, dass massiver Kostendruck kaum Spielraum für nachhaltig wirkende Innovationen zulässt

Hannover, im September 2016. „Im Transportgeschäft ist der Kuchen verteilt und der Kunde übt das Preisdiktat aus“ - dieses Zitat eines Logistikexperten in der „Continental Mobilitätsstudie 2016“ bringt die Situation der Branche auf den Punkt. 88 Prozent der befragten Logistiker bestätigen die These, dass der ohnehin immense Kostendruck noch weiter steigen wird. Gleichzeitig sehen 84 Prozent die eigene Branche nicht sonderlich gut für die Zukunft aufgestellt. 74 Prozent bewerten dagegen die Zukunft des eigenen Unternehmens durchaus positiv. In China sehen die Logistiker das Transportgewerbe in ihrem Land insgesamt besser aufgestellt. Bezogen auf ihr eigenes Unternehmen blicken allerdings nur 63 Prozent der Chinesen optimistisch in die Zukunft.

Tatsächlich wächst der Güterverkehr dramatisch. Auf der Straße wurden 2010 in Deutschland rund 265 Milliarden Tonnenkilometer abgewickelt – bis 2050 erwarten Experten eine Steigerung auf mehr als 370 Milliarden Tonnenkilometer. Ein Grund dafür liegt nach Expertenaussagen unter anderem in der enormen Zunahme des Internethandels. Wurden in Europa 2013 noch rund 132 Milliarden Euro Umsatz im Online-Handel erzielt, werden 2017 rund 250 Milliarden Euro erwartet – das entspricht nahezu einer Verdoppelung in nur fünf Jahren. In Deutschland soll der Umsatz im Online-Handel von fast 53 Milliarden Euro 2015 auf 73 Milliarden Euro 2017 zulegen.

Die Sendungen werden nach Aussagen der befragten Experten auch durch Internethandel immer kleinteiliger, die Kunden verlangen kürzeste Lieferzeiten. Darüber hinaus wachsen Güterverkehre, also Import-, Export- und Transitverkehr, sowie die Entfernungen zwischen Zulieferern und Abnehmern. Die Zunahme des Güter- und Lieferverkehrs über die Straße läuft aber konträr zu strengeren Umweltschutzauflagen. Der CO2-Ausstoß durch den Frachtverkehr auf der Straße betrug weltweit im Jahr 2010 rund 1,1 Milliarden Tonnen. Bis 2050 erwarten Experten eine Vervierfachung auf rund 4,5 Milliarden Tonnen. Die Logistikexperten sind sich daher einig, dass ein „Weiter so“ auf Dauer nicht möglich ist. „Es muss eine Revolution in der Branche geben, wenn die Entwicklung so weiter geht“, sagt ein Studienteilnehmer.

Tatsächlich ist aber nahezu die gesamte Branche durch den harten Wettbewerb voll ausgelastet und hat nach eigener Darstellung kaum Ressourcen für Innovationen. So erhalten bislang selbst im internationalen Fernverkehr nur 16 Prozent der Fahrer Anreize, spritsarend unterwegs zu sein. Besonders schwierig ist die Situation nach Angaben der Experten für kleine und mittlere Transportunternehmen. Sie wissen zwar um die Notwendigkeit von Vernetzung und Digitalisierung, sind aber im Alltagsgeschäft so unter Druck, dass sie weder über ausreichend Zeit noch Budget verfügen, um sich intensiv über die Zukunft Gedanken zu machen und Investitionen zu planen. Ihr Gestaltungsspielraum ist ohnehin gering, zudem müssen sich Innovationen bereits innerhalb von ein bis zwei Jahren amortisiert haben, um im Wettbewerb bestehen zu können.

Dazu kommt Konkurrenz von Global Playern im Onlineversandhandel, die ihre eigene Logistik aufbauen sowie der Umstand, dass viele Mittelständler Probleme haben, engagierte, zukunftsgewandte Unternehmensnachfolger zu finden. „Diese Entwicklung wird zunehmen. Die Großen werden größer, weil ihre Kostendarstellung besser ist und sie können Sparten quer subventionieren. Die Großen sind auch offener für Innovationen und können diese besser adaptieren“, so die Vermutung eines Verbandssprechers.

Gleichzeitig sehen die befragten Experten den Wettbewerb in Europa vor allem geprägt von den Teilnehmern aus den mittel- und osteuropäischen EU-Staaten. „Es herrschen zum Teil skandalöse Arbeitsbedingungen, Mindestlöhne von 2,80 Euro werden gezahlt. Das alles geschieht unter Berufung auf EU-Recht. Ein markantes Problem ist die Dienstleistungsfreiheit der EU, die keine Niederlassungspflicht beinhaltet oder an eine solche gebunden ist“, sagt ein Branchenkenner. Dies führe zudem zu einer Entwicklung, dass höher qualifizierte und spezialisierte Fahrer im Inland und Regionalverkehr eingesetzt werden. Im Fernverkehr gebe es den gegenteiligen Trend.

Hinzu kommt in Deutschland eine Verkehrsinfrastruktur, der nur 9 Prozent der in der Studie befragten Logistikexperten ein gutes Zeugnis ausstellen. Mehr als 90 Prozent geben dagegen an, Straßen, Brücken, Häfen und Schienenwege in Deutschland seien nicht gut ausgebaut.

Mit der „Mobilitätsstudie 2016 – Der vernetzte Truck“ legt das internationale Technologieunternehmen Continental seine inzwischen vierte Mobilitätsstudie vor. Das Markt- und Sozialforschungsinstitut infas befragte Logistiker, Spediteure, Flottenbetreiber sowie Fernfahrer in Deutschland und China. Im Fokus stehen die Herausforderungen, die für die Logistikbranche durch Digitalisierung und Vernetzung entstehen.

Zahlen, Daten, Fakten rund um den Güterverkehr auf deutschen Straßen:

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Enno Pigge

Enno Pigge Pressesprecher, Innovation & Technologie Telefon: +49 511 938-1622 E-Mail: