3. Continental-Studentenumfrage

Stellten in Darmstadt die Ergebnisse der 3. "Continental-Studentenumfrage" vor: Prof. Rainer Anderl (Vizepräsident der TU Darmstadt), Thomas Sattelberger (Personalvorstand des Automobilzulieferers Continental AG), Prof. Lothar Späth (Ehrengast und Ministerpräsident a.D.) sowie Christina Bock (Studentin an der TU Darmstadt).

© Continental AG

3. Continental-Studentenumfrage

Hochschulabsolventen sehen ihre Zukunft optimistischer

  • Wettbewerbsfähige Unternehmen fördern positiven Ausblick – Aber wachsende Immobilität – Zunehmende Mehrheit erwartet längere Arbeitszeiten

Darmstadt/Hannover, 02. März 2006. Die deutschen Studenten sehen ihre Zukunftschancen optimistischer als in den Vorjahren, sind aber deutlich immobiler. Sie erwarten Arbeitszeiten von 40 Wochenstunden und mehr im ersten Job. Eine Mehrheit bleibt - bei abnehmender Tendenz - Eliteuniversitäten gegenüber skeptisch. Das sind einige Ergebnisse der repräsentativen
3. „Continental-Studentenumfrage“, die der Automobilzulieferer am Donnerstag in Kooperation mit der TU Darmstadt vorgestellt hat. TNS/Infratest hatte im Auftrag des Unternehmens wie schon seit 2003 Ende vergangenen Jahres 1.006 Studenten zu ihren Ansichten zu Arbeitszeit, Karriere, Qualifizierung sowie Hochschulreformen und Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland befragt. Continental stellt jährlich zwischen 800 und 1.000 Hochschulabsolventen ein, davon bis zu 50 Prozent in Deutschland.

 

„Zum Glück: Die Zukunftserwartung unter den deutschen Studenten hat sich deutlich verbessert“, sagte Continental-Personalvorstand Thomas Sattelberger: „69,7 Prozent der Befragten nach zu­vor stabil 63 Prozent schätzen ihre Karrierechancen sehr zuversichtlich oder eher zuversichtlich ein. Dieser Trend zeigt sich insbesondere bei jüngeren Befragten.“ Der Präsident der TU Darmstadt, Professor Dr.-Ing. Johann-Dietrich Wörner, nannte dies ein ermutigendes Zeichen: „Ein positives Zukunftsbild ist ein starker Faktor für Engagement und Motivation schon im Studium.“

 

Als Gründe für eine eher positive Erwartungshaltung werden (Mehrfachnennungen möglich) eher externe Faktoren genannt wie Qualifikation/Studium/Abschluss (46,5 Prozent), deutlich weniger die eigene optimistische Einstellung, Leistungsbereitschaft oder „gesundes Selbstbewusstsein“ (25,4 Prozent) sowie Nachfrage im Beruf (15,7 Prozent). Insgesamt nähern sich die deutschen Studenten bei der Einschätzung ihrer Karrierechancen den Werten ihrer Kommilitonen in Rumänien an.


Dort sind 73,5 Prozent bezüglich ihrer Karrierechancen sehr zuversichtlich oder eher zuversicht­lich, ergab die im Herbst 2005 vorgestellte 1. „Continental-Studentenumfrage“ in Rumänien, die einen Vergleich unter anderen Perspektiven ergeben sollte.

 

Die Zukunftserwartung korreliert mit der höher eingeschätzten Wettbewerbsfähigkeit der heimi­schen Unternehmen: Knapp zwei Drittel der Befragten bewerten sie als „sehr gut“ oder „gut“, zuvor war es nur jeder Zweite. Die Kehrseite der positiveren Stimmung ist die abnehmende Mobilität, insbesondere in weniger attraktiv wahrgenommenen Ländern. Mit 47,2 Prozent können sich nur noch weniger als die Hälfte der Befragten vorstellen, „ganz bestimmt“ oder „eher wahrscheinlich“ ihren Traumjob in Osteuropa anzunehmen. Zuvor waren es 56,3 bzw. 49,2 Prozent. Für diese Trendumkehr sind vor allem die Männer verantwortlich. Ähnlich sind die Werte für China mit 37,5 (45,7) Prozent. „Gerade junge Mitarbeiter müssen sich meist zunächst am ausländischen Standort beweisen, bevor sie im eigenen Land Erfolge feiern können. Im Grunde müssen sie sich während ihrer gesamten Karriere global beweglich und für ihr Unter­nehmen international einsatzfähig halten“, sagte Prof. h.c. Lothar Späth, ehemaliger Minister­präsident Baden-Württembergs und früherer Deutschlandchef von Jenoptik, zu den Ergebnis­sen der Umfrage.

 

Die persönliche Wettbewerbsfähigkeit im internationalen Vergleich schätzen die Absolventen positiv ein: 10,5 Prozent halten sie für „sehr gut“, 47,2 Prozent für „gut“, 32,5 Prozent für „zufriedenstellend“, 8,5 Prozent für „ausreichend“ und nur 1,2 Prozent für „unzureichend“. Dies sehen erneut die Frauen skeptischer als die Männer: „Eine positivere subjektive Einschätzung der eigenen Karrierechancen im Talentwettbewerb verführt offenbar zum Trugschluss, dass weniger Mobilität erforderlich sei“, warnte Sattelberger.

 

Sehr realistisch sind die Erwartungen bezüglich der Arbeitszeiten im ersten Job. 48,0 (2004: 46,3) Prozent erwarten eine frei vereinbarte Arbeitszeit von mehr als 40 Stunden in der Woche. Auffällig: Dies gilt für 52,4 (54,9) Prozent der Männer und 40,3 (33,7) Prozent der Frauen. Nur 1,5 (1,8) Prozent der Befragten gehen von tariflichen 35 Stunden pro Woche aus, 3 (5) Prozent von 37,5 Stunden pro Woche. Regelmäßige Wochenendarbeit ist für 18,8 (20,1) Prozent kein Problem, 66,7 (66,1) Prozent können sich das „gelegentlich“ vorstellen.

Der Aussage: „Ich kann mir vorstellen, in einem Land mit niedrigeren Lebenshaltungskosten als in Deutschland zu arbeiten und entsprechend weniger zu verdienen“, stimmen 63,1 (2004: 53,9) Prozent voll und ganz oder eher zu. 13,5 (16,5) Prozent lehnen dies ab.


Bei Verlust des Arbeitsplatzes würden 10,4 (5,5) Prozent ohne jeden Einwand einen schlechter bezahlten Job annehmen, 33,6 (30,5) Prozent können sich das eher vorstellen, 39,3 (44,5) Prozent sagen „teils, teils“. In Rumänien würden nur 23,3 Prozent der Absolventen bei Job­verlust einen unterdurchschnittlich bezahlten Arbeitsplatz annehmen. Bei der Auswahl des Studiengangs haben sich 70,7 Prozent der Befragten von Berufs-/Jobperspektiven leiten lassen. Für 37,2 Prozent waren Karrieremöglichkeiten ausschlaggebend. Das erwartete Gehalt nennen insgesamt 36,1 Prozent der Befragten, auffällig sind erneut überdurchschnittliche Werte für Elektrotechnik- und Maschinenbauingenieure, die ihren Marktwert offensichtlich gut einschätzen. Das Studienangebot der Universität geben 24,9 Prozent, den gesellschaftlichen Status 23,1 Prozent und die Nähe der Hochschule zum Wohn­ort 22,2 Prozent an.

 

„Deutschlands Zukunft liegt nicht im Niedriglohnbereich, sondern in der Entwicklung hochinno­vativer Produkte und Dienstleistungen. Dafür brauchen wir qualifizierten Nachwuchs. Es ist eine Chance für unser Land, dass die jungen Leute dies einsehen und sich vor allem von Berufs­perspektiven bei der Studienwahl leiten lassen“, sagte Prof. Späth. Auffällig sind Unterschiede in den Angaben zwischen Männern und Frauen: Die Job-/Berufsperspektiven geben 73,2 Prozent der Männer, aber lediglich 66,3 Prozent der Frauen an, beim potenziellen Gehalt 39,5 zu 30,1 Prozent.  „Dies erfüllt mich mit Sorge. Sich ihres Marktwertes bewusste Frauen in chancenreichen Studiengängen sind angesichts der kommenden Nachwuchslücken unverzichtbar für Deutschland“, betonte Sattelberger.

 

Zum Thema Elitehochschulen äußerten sich (ungestützt befragt, Mehrfachnennungen mög­lich) 58 Prozent eher ablehnend, ein Jahr zuvor waren es in der Tendenz noch 68 Prozent. Eine positive Einstellung haben unverändert rund ein Drittel der Befragten. „Stünde genug Geld als Bildungsinvest für alle Hochschulen zur Verfügung, würde Elitenförderung weniger skeptisch betrachtet“, meinte Sattelberger dazu. „Man muss Breitensport wie Spitzensport betreiben, aber auch entsprechend fördern.“ 





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Nicole Goettlicher Pressesprecherin Personal & Karriere Telefon: +49 511 938-1640 E-Mail: