Dr. Elmar Degenhart

© Continental AG

Die Zukunft des Fahrzeugantriebs ist elektrisch. Davon sind wir überzeugt.

Auszug aus der Rede des Continental-Vorstandsvorsitzenden Dr. Elmar Degenhart anlässlich der Hauptversammlung vom 27.04.2018 zum Thema Elektromobilität

Die Zukunft des Fahrzeugantriebs ist elektrisch. Davon sind wir überzeugt. Elektrisch heißt aber nicht automatisch sauber. Denn die Umweltbilanz der Elektromobilität sieht heute nicht gerade günstig aus.

Saubere Luft atmen dank Technologien von Continental © Continental AG

Es beginnt beim Gewinnen von Rohstoffen. Es setzt sich fort beim Erzeugen von Strom. Ähnlich verhält es sich beim Speichern und Verteilen von Strom. Es zieht sich durch bis zum Wiederverwerten und Entsorgen von Batterien: überall steckt darin zu wenig grün.

Der Beitrag der Elektromobilität zum Klimaschutz ist daher heute überschaubar. Er wird es auf Jahre hinaus noch bleiben.

Die größte Hürde ist die Batterie. Sie ist zu groß. Sie ist zu schwer. Sie ist zu schwach. Und sie ist vor allem viel zu teuer. Wir rechnen erst nach 2025 mit einer wettbewerbsfähigen Batterietechnologie.

Wir können uns vorstellen, künftig Batteriezellen selbst zu produzieren. Wir denken dabei an solche, deren Materialien aus Feststoffen bestehen. Die Voraussetzung dafür ist ein attraktives Geschäftsmodell. Eine Entscheidung dazu fällen wir voraussichtlich erst nach 2020.

Der Marktanteil der Elektrofahrzeuge steigt. Aber er steigt nicht so schnell, wie sich das manche wünschen. Den wichtigsten Grund habe ich schon benannt. Die Antriebe mit einer akzeptablen Reichweite sind noch zu teuer.

Sie lesen es überall. Unsere Industrie stellt vermehrt elektrisch angetriebene Fahrzeuge her. Diese aber zu Preisen, die heute keinen Gewinn ermöglichen. Das ist kein attraktives Geschäft! Daraus entsteht kein dauerhafter Erfolg!

Die Kernfrage an die Politik lautet daher: Wie sinnvoll ist der Versuch, Elektromobilität über gesetzliche Vorgaben dennoch beschleunigt in den Markt zu drücken?

Wir haben das einmal durchgerechnet. Die Basis dafür ist ein extrem aggressives Wachstums-Modell ab 2020. Es ist rein theoretisch möglich. Aber es ist nicht sehr wahrscheinlich.

Marktdurchdringung von Elektrofahrzeugen von nahezu 75 % des Fahrzeugbestands bis 2050 (Szenario beruht auf Annahmen von Continental, geschätzter Fahrzeugbestand) © Continental AG

Selbst unter dessen hoch dynamischen Bedingungen zeigt sich: Erst im Jahr 2050 könnten neun von zehn hergestellten Fahrzeugen mit rein elektrischem Antrieb vom Band laufen. Wenn das bis dahin so käme, wären 2050 erst drei Viertel aller Fahrzeuge auf den Straßen rein elektrisch unterwegs. Die anderen 25 Prozent würden immer noch mit Verbrennungsmotor fahren. In 32 Jahren!  Das ist noch eine lange Zeit!

Daraus ergibt sich eine klare und eindeutige Konsequenz: 

Wir brauchen bis weit über 2030 hinaus verschiedene Antriebe nebeneinander. Damit meine ich eine Mischung aus Benzin, Diesel und Erdgas. Daneben brauchen wir Hybridantriebe, reine Elektrofahrzeuge und Wasserstoff.

Daher unser Appell an die Politik: Legen sie für wirksamen Klimaschutz sinnvolle Abgas-Grenzwerte fest. Lassen sie aber die Industrie wählen, welches die optimalen Technologien dafür sind. Erzwingen sie mit ihren Vorgaben keine Lösungen, die nicht wirtschaftlich sind!

Denn wirksamer Klimaschutz kommt vorerst nicht ohne Verbrennungsmotoren aus. Dafür machen wir sie noch sparsamer und sauberer. Dies erreichen wir vor allem durch unsere hoch flexible, sparsame Einspritzung, durch unsere hoch wirksame Nachbehandlung der Abgase und durch unsere Hybridsysteme.

Auswahl unserer Technologien für saubere Luft © Continental AG

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Bestes Beispiel: unser 48-Volt-System. Wir haben es als Erste auf den Markt gebracht. Die Batterie dafür haben wir neuerdings ebenfalls in unserem Portfolio. Die Batteriezellen enthalten Lithium-Ionen. Wir bekommen sie von unserem chinesischen Partner CITC.

Der moderne Dieselmotor stößt deutlich weniger Kohlendioxid aus als der Benzinmotor. Für mehr Klimaschutz ist er daher vorerst unentbehrlich. Dennoch wollen ihn manche jetzt in Deutschland aus den Städten verbannen. Der Grund dafür ist sein Ausstoß an Stickoxiden.

Dabei gibt es viele, schneller wirksame Maßnahmen für das dauerhafte Säubern der Stadtluft. Hier nenne ich drei Beispiele:

  • Fließverkehr erzeugen statt Stau. Eine sinnvolle Steuerung des Verkehrs verringert den Stickoxid-Ausstoß um bis zu 40 Prozent.
  • Dieselbusse umrüsten auf Euronorm 6. Dies verringert den Ausstoß von Stickoxiden. Im Vergleich zur Euronorm 5 sind es mindestens 80 Prozent weniger.
  • Intelligenter parken. Mit Hilfe von Apps und Software geht das schneller und sparsamer.

Zu alledem liefern wir die passenden Lösungen.

Lesen Sie hier die komplette Rede zur Hauptversammlung 2018 (PDF, 1,7 MB) .